Warum heißt die Butterblume eigentlich auch Hahnenfuß?
Jetzt im Mai folgt auf unseren Allgäuer Wiesen und Weiden auf die orange-gelbe Löwenzahnblüte die Blüte des Hahnenfußes. Dieser Name bezieht sich auf die Laubblätter, die an einen Vogelfuß erinnern sollen.
Der Name „Butterblume“ hingegen bezieht sich auf die leuchtend gelben Blüten, die an gelbliche Butter erinnern. Im Ausgangsstoff der Butter, der Milch, ist Provitamin A enthalten, auch Beta-Carotin genannt, das eine gelb-orange Farbe hat.
Die Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) umfasst 43 Gattungen mit 2346 Arten weltweit (Christenhusz & Byng, 2016). Die Pflanzengattung Hahnenfuß Ranunculus wiederum umfasst allein schon über 600 Arten, die fast auf der ganzen Welt verbreitet sind. Die Vertreter der Ranunculaceae sind sowohl im Wasser als auch auf über 4000 Metern Höhe zu finden. Allen gemein ist ihre Giftigkeit durch den Inhaltsstoff Protoanemonin. Der wohl giftigste Vertreter in unseren Breiten ist der Eisenhut, der auch im Allgäu immer wieder zu finden ist. In Mitteleuropa sind alle Vertreter dieser Familie krautig – mit einer Ausnahme: Die Waldreben (Clematis) bilden verholzende Lianen aus, eine Besonderheit unserer Flora. Fossilien zeigen erste Spuren der Familie schon vor 100 Millionen Jahren. Typisch für diese Pflanzenfamilie sind viele Frucht- und Staubblätter in spiraliger Anordnung. Die Blüten bilden in der Fruchtreife Balgfrüchte oder Achänen aus.
Zu den letzten Vertretern im alten Jahr und ersten im neuen Jahr in unseren Breiten zählen die Christrose Helleborus niger, der Winterling Eranthis hyemalis oder das Scharbockskraut Ficaria verna. Bei ihnen lässt sich ein besonderes Blütenmerkmal erkennen, das mache Gattungen aufweisen: die Nektarblätter (Abb.1, 2 und 3, s. Pfeile).
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Abb. 1: Christrose mit Nektarblättern unterhalb der Staubblätter. Foto: K. Babucke -
Abb. 2: Lenzrosenblüte mit deutlich sichtbaren Nektarblättern. Foto: K. Babucke
Sie werden aus umgestalteten Staubblättern gebildet und bieten den Bestäubern, wie es der Name schon verrät, Nektar an.
Je nach Art sind sie sehr gut mit bloßem Auge oder fast nur mit einer Lupe zu erkennen, nachdem man die Blüte in ihre Einzelteile zerlegt hat.
Da die Christrose (Helleborus niger) um die Weihnachtszeit blüht, hat sie wohl schon manchen inspiriert, sie in einem Gedicht oder Lied zu verewigen. Ein bekanntes Beispiel ist das Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen. Der älteste Nachweis der Melodie datiert auf 1599. Einer Legende nach soll der Heilige Laurentius durch den Anblick der Christrose zu dem Kirchenlied inspiriert worden sein:
Es ist ein Ros entsprungen,
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.
Das Röslein, das ich meine,
von Isaias sagt,
ist Maria die reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew’gem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb die reine Magd.
Die Akeleien (Aquilegia sp.) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse. Viele haben sie im Garten oder kennen sie von artenreichen Wiesen. Typisch für die Akelei ist ihr Sporn (Abb. 4, s. Pfeil), ein länglicher, gebogener Fortsatz der Blütenkronblätter, der den bei Bestäubern beliebten Nektar enthält. Die Blüte kostet es Energie, den Nektar zu produzieren. Diesen Aufwand nimmt sie jedoch in Kauf, um von Insekten bestäubt zu werden um sich fortpflanzen zu können und lockt mit Nektar als Gegenleistung. Wie man sich bei dem Bild schon denken kann, kommen nur Insekten mit langen Rüsseln in Frage, um an diesen süßen Schatz zu gelangen. Hummeln sind daher die Hauptbestäuber der Akeleien. Unsere Bienen gehen (eigentlich) leer aus. Eigentlich? Nun, auch Hummeln sind hin und wieder faul: Um sich die Mühe, tief in die Blüte zu krabbeln zu sparen, beißen sie ein kleines Loch in den Sporn und saugen so auf „kurzem Weg“ den Nektar aus der Blüte. Dabei entfällt die Bestäubung durch Übertragung des Pollens anderer Akeleien im Insektenhaarkleid.
Wie wir wissen, sind Honigbienen lernfähig. Sie schauen sich bei den Hummeln ab, wie man doch an den wohlgehüteten Nektar der Akeleien kommt und machen sich dies zunutze: Man kann immer wieder Bienen beobachten, wie sie den Sporn anfliegen und ihren wesentlich kürzeren Rüssel durch das kleine Loch (Abb. 6, im gelben Kreis) stecken und so doch an den Nektar kommen.
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Abb. 4: Akelei mit Nektar- spornen. Foto: K. Babucke -
Abb. 5: Akelei mit gelben Pollen. Foto: K. Babucke -
Abb. 6: Im gelben Kreis das kleine Loch, das eine Hummel in den Sporn der Akelei genagt hat. Foto: K. Babucke
Pollen- und Nektarwerte einiger Hahnenfußgewächse (N/P):
Buschwindröschen (-/2/weiß), Scharbockskraut (1/1), Kriechender Hahnenfuß (1/1), Scharfer Hahnenfuß (1/2/gelb), Küchenschelle (1/3), Sumpfdotterblume (3/2/gelb), Trollblume (2/3), Stinkende Nieswurz und Christrose (2/3/gelblich-weiß), Akelei (2/3).
Quellen:
Botanische Grundkenntnisse auf einen Blick, Hauptverlag
https://www.helleborus.de/pflanzenwissen/lieder-gedichte, 06.05.2026
https://www.lv-wli.de/files/pdf/Fachbereiche/Bienenweide/Bw-Pfl_Stauden_einheim_N%2BP%20%281%29.pdf, 07.05.2026
https://www.natureintopf.at/general-6, 07.05.2026
https://www.bienen-michel.ch/wpr/wp-content/uploads/2018/05/Pollenfarben.pdf, 07.05.2026
https://www.bienenroute.de/trachtpflanzen, 07.05.2026